Wie eine „neue" Film-Kategorie Kunden erobert.
Eine Gegenbewegung im KI-Zeitalter — und warum Echtfilme nicht nur Vertrauen gewinnen, sondern auch Kunden.
„So klingt Vielfalt" — aus der Kampagne uifach mir (Oberstaufen Tourismus). Klick zum Abspielen — YouTube lädt erst dann.
Scroll durch Deinen Feed. Bei jedem Video, das ein bisschen zu glatt aussieht, zu perfekt spricht, zu makellos geschnitten ist, ist die erste Frage längst nicht mehr „ist das gut gemacht?" Sondern: „Ist das echt? Oder ist das KI?"
Und das hört bei Social Media nicht auf. Öffne Dein Postfach — jede E-Mail ist zunächst mal etwas Böses. Kann ich da draufklicken? Will mir schon wieder jemand was verkaufen? Ist da ein Anhang drin — um Gottes willen. Selbst ein Video, das eigentlich lustig sein soll, lustig aussieht, lustig gemeint ist, bekommt zuerst denselben Gedanken: Ach, ist wahrscheinlich eh KI.
Wir haben noch nie in einem so großen Vertrauensdefizit gelebt wie gerade jetzt. Nicht, weil die Menschen misstrauischer geworden sind. Sondern weil wir gerade in allem, was wir sehen, zum Misstrauen erzogen werden.
Und genau in dieses Klima hinein hat eine Tourismusregion im Allgäu ein Filmprojekt gemacht, das das Gegenteil von allem war, was gerade funktionieren soll. Kein Hochglanz. Kein KI-Voiceover. Und es hat trotzdem — nein, ich korrigiere mich: es hat deswegen gewonnen. Zwei internationale Awards, eine Reichweite, für die andere ein siebenstelliges Media-Budget brauchen. Ich will Dir erzählen, wie es dazu kam. Nicht als Case, den ich Dir verkaufen will. Sondern weil ich glaube, dass die Logik dahinter für jedes Unternehmen gilt, das gerade überlegt, ob es noch einen Film „wie alle anderen" braucht — oder etwas anderes.
Der Auftrag, den man auch hätte ablehnen können
Oberstaufen Tourismus kam mit einem Wunsch, den fast jede Destination hat: Sehnsucht wecken. Menschen sollen sich beim Scrollen denken „da will ich hin" — das ist die Grundaufgabe jedes Tourismusfilms, seit es Tourismusfilme gibt.
Aber sie sagten auch etwas, das viel seltener vorkommt: kein klassischer Imagefilm. Keine Postkarte. Sie wollten die Region nicht als Kulisse zeigen — sie wollten sie als Lebensraum zeigen. Als einen Ort, an dem tatsächlich Menschen leben, arbeiten, bleiben. Nicht als Ort, den man sich für eine Woche mietet.
Das klingt nach einem kleinen Unterschied. Ist es nicht. Jeder zweite Tourismusfilm, den Du kennst, ist ein Drohnenschwenk über Berge, unterlegt mit Musik, die man schon hundertmal gehört hat, und einer Stimme aus dem Off, die von „einzigartigen Momenten" spricht. Das zu machen wäre der einfache Weg gewesen. Der Weg, bei dem niemand widerspricht, aber auch niemand sich erinnert.
Die Idee, die man sich erst trauen musste
Die Antwort von silberstern und Oberstaufen Tourismus war: keine Landschaft im Mittelpunkt. Menschen im Mittelpunkt. Echte Menschen aus Oberstaufen — jung, unpoliert, ungecastet — die man dabei zeigt, wie sie diesen Lebensraum aktiv mitgestalten – und warum. Keine Schauspieler. Keine Sätze, die man ihnen in den Mund gelegt hat. „uifach mir" heißt das Ganze.
Das Risiko dabei ist größer, als es klingt. Ein Drohnenfilm kann nicht scheitern — die Berge sehen immer gut aus. Ein Film über echte Menschen kann sehr wohl scheitern, wenn die Menschen vor der Kamera steif werden, wenn die Sätze nach Werbung klingen, wenn man ihnen die Nervosität ansieht. Man gibt Kontrolle ab, um Echtheit zu gewinnen. Das ist der Handel, den man eingehen muss — und den die meisten Agenturen nicht eingehen, weil er im Schnitt schwerer zu retten ist als ein schöner Drohnenshot.
Ich sag dazu immer: Es gibt keinen Trend, der nicht seinen Gegentrend bereits in sich trägt. Während also überall KI-Content billiger, schneller, glatter wurde, wurde in Oberstaufen genau in die andere Richtung gearbeitet.
Wie aus einer Haltung ein Drehbuch wurde
Eine Haltung ist noch kein Konzept. Also wurde daraus eine Dramaturgie in drei Phasen gebaut — und die Reihenfolge ist kein Zufall, sondern folgt genau der Logik, wie Vertrauen zwischen zwei Menschen überhaupt entsteht.
Phase 1 ist der erste Blickkontakt: kurze Spots, die nicht wie Werbung aussehen wollen, sondern wie ein echter Moment, den man zufällig mitbekommt. Ihre einzige Aufgabe: Aufmerksamkeit, ohne sich anzubiedern.
Phase 2 ist das erste echte Gespräch: ungescriptete Interviews mit Menschen aus der Region. Keine Regie-Anweisung, die man heraushört. Der Punkt, an dem man als Zuschauer merkt: Die meinen das wirklich so.
Phase 3 ist die Beziehung, die daraus wird: ein Hauptfilm, der alles zusammenführt — nicht mehr Teaser, nicht mehr Ausschnitt, sondern das ganze Bild. Inklusive dem Aufruf: Komm selbst und schau es Dir an. Werde Teil davon. Oder auf allgäuerisch: „Komm uifach!"
Was für mich in allen drei Phasen gleich bleibt, ist der Anspruch an den Tiefgang. Ich prüfe den so: Meine Mama muss sich das ansehen können — mit 85 Jahren — und sagen: „Mensch, früher war das mal ein Bauernhof." Es geht nicht um Hochglanz, den man bewundert. Es geht um ein Bild, das sofort etwas in einem auslöst, das man versteht, ohne dass es einem erklärt werden muss. Es geht darum, was Menschen wirklich antreibt, ihren Lebensraum zu gestalten.
Was am Ende im Kasten war
Kein einzelner Werbespot. Eine ganze Kampagne — über 70 einzelne Videoclips, die alle drei Phasen bespielen. Manche 15 Sekunden für Social Media, manche fürs Kino geschnitten, manche fürs Out-of-Home-Format, manche fürs Hochformat. Ein Dreh, viele Verwertungen, über Jahre hinweg einsetzbar — kein Material, das nach einem Quartal im Archiv verschwindet.
Zwei Ausschnitte aus der Kampagne uifach mir. Klick zum Abspielen — Vimeo lädt erst dann.
Was das gebracht hat
68,6 Millionen Kontakte innerhalb von rund 18 Monaten im deutschsprachigen Raum. Eine Zahl, die man sonst nur mit einem Media-Budget in Millionenhöhe erreicht — hier kam sie größtenteils aus der Kampagne selbst, nicht aus einem riesigen Werbe-Etat. Über 70 wiederverwendbare Videoclips aus einer einzigen Produktion.
PlatzhalterAnmerkung von Oberstaufen, final einbauen sobald freigegeben: „Was wir sicher sagen können: Bis zu 57 % mehr neue Webseite-Nutzer aus ausgewählten Zielmärkten. Alles andere lässt sich so (leider) kaum direkt in Conversion messen."
Und, ja, auch das noch
Nicht jedes Unternehmen braucht einen Award, um zu wissen, ob ein Film funktioniert. Trotzdem ist es eine schöne Auszeichnung: German Brand Award 2025, WorldMediaFestivals 2025 mit Gold und Grand Award. Zwei unabhängige Fachjurys, die bestätigen, dass echte Filme positiv herausstechen und überzeugen. Und genau darum geht es am Ende: Interessenten von Dir und Deinem Produkt zu überzeugen — und daraus Kunden zu gewinnen.
Was Oberstaufen dazu sagt
„uifach mir" lebt von der Leidenschaft und Offenheit unserer Protagonist:innen, die mindestens genauso für Oberstaufen brennen, wie wir. Das zeigt sich in jedem einzelnen Motiv – ehrlich und direkt. Genau darum geht es: Keine gestellten Bilder, keine Versprechen, die wir nicht halten können, sondern das echte Leben. Das Bekenntnis zu unserer Heimat, zu den Menschen und Werten. Unser Weg, um neue Gäste zu erreichen und anzusprechen, mit ihren Sehnsüchten nach Natur, nach Gemeinschaft, nach Zuflucht. Dass die Idee so lebendig wird und Erfolg zeigt, beweist uns, wie richtig sie war und ist.
Über mich
Wenn Du beim Lesen an Euer eigenes Video-Material gedacht hast — daran, ob es zeigt, wer Ihr wirklich seid, oder nur, wie professionell Ihr wirken wollt — dann lass uns darüber sprechen, was Deine Version dieser Geschichte sein könnte.
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